Mittwoch, 3. März 2010

Zurück im Sumpf!

Nach Da Nang kam kurz Saigon, dann Da Lat, dann Nha Trang, dann Buon Ma Thuot, dann viel südliches, zentrales Hochland, dann wieder Saigon, schliesslich noch Phnom Penh, Kampot, Sihanoukville und Angkor Wat in Kambodscha...
So steigerte sich die Frequenz der neuen Eindrücke auf ein Maß, das nicht mehr in Echtzeit zu verarbeiten war...
Zurück in Berlin erstmal in die Sumpfhöhle verkrochen - Ausgangssperre! Weder der Schnee noch die Kälte wurden vermisst. Geplatzte Rohre im vierten Stock. Offener Schuttboden im Badezimmer. Mit Mary J. den Übergang weichklopfen...
Und doch ist es die perfekte Jahreszeit für Optimisten; Frühlingsprognosen werden bald wieder von der Zeit überholt. Unaufhaltsam. Ich finds gut...

Dienstag, 19. Januar 2010

I'm lovin' it...

Da Nang, 8h. Der Kaffee schmeckt wie Wringmop. Egal, ne Pepsi. Im tropischen Regen aufm Roller nach Hoi An. Mit dem Mut der Verzweifelten. Uuuunglaublich nass. Aber authentisch. Irgendwie echt. Es sieht nicht nach Besserung aus... und dann; plötzlich bricht die Sonne durch. Versuche, die Touristen aus den Motiven zu vertreiben, scheitern kläglich.
Morgen noch mal hin, geschneiderte Klamotten abholen. Oder an den Strand; China Beach...


Montag, 18. Januar 2010

Richtung: Süden!

Langsam weicht der dreckig-graue Smog-Himmel Hanois dem natürlichen Grau der nordvietnamesischen Regensaison auf dem Weg nach Halong Bay.
Die Bucht mit den über zweitausend Inseln entfaltet aber gerade in diesem unwirklichen Ton in Ton von Himmel und Meer die ihrem Namen Rechnung tragende mystische Wirkung: landender Drache. Grotten, Höhlen und Affeninseln werden zwar von den organisierten Touren an den Reisenden förmlich vorbeigespult; rhytmisch, auf die Minute getimed (von Timing - schreibt man das so?).
Der Ausbruch aus dem Programm schafft dann doch die gewünschte Erfahrung. Am letzten Tag bricht die Sonne durch und drei Fotografen aus, um ein Boot zu chartern; schwimmende Dörfer im Morgengrauen...
Der Zug von Hanoi nach Da Nang braucht für die 600 km über 14h. Im Schlafwagon locker zu ertragen. Da Nang ist berühmt für seine Strände; irgendwie blöd, wenn es regnet... Beim Mittags-Snack dann der erste Vietnam-Veteran: 64 Jahre alt, nach eigener Aussage seit 26 Jahren in Vietnam, zugegebenermassen betrunken von vietnamesischen Vodka, im Auftrag der U.S. Regierung unterwegs ("They tell me what to do and I'll do it") und berufen dazu, die Völkeverständigung zu verbessern. Bemerkenswert sein Vietnamesisch-Englisches Wörterbuch. Abgenutzt wie die Bibel eines besessenen Katholiken und wortwörtlich JEDE Zeile mit handgeschriebenen Notizen versehen beeindruckt dieser unzeitgemäss große Schinken. Er klärt uns auf: das Wetter ist nun mal so zu dieser Jahreszeit und so verhält sich Nord-Vietnam zu Süd-Vietnam wie Deutschland zu Australien.
Wir denken an eine schnelle Weiterfahrt ins Mekong-Delta... Richtung: Sonne!

Mittwoch, 13. Januar 2010

Lost in Hanoi...

Der Titel trügt. Nach fast einer Woche in Hanoi fühlt man sich automatisch etwas zugehöriger. Aber erst seit dem Übernehmen der offensichtlichsten Eigenart dieser Stadt - der Fortbewegung auf einer 100er Wave, dem Standardmotorroller Hanois, ahnt man auch nur ansatzweise etwas vom Leben hier. Ohne etwas von meiner ersten Einschätzung zurückzunehmen, muß ich nun die Perspektive erweitern...

Rein ins Getümmel. Das Gehupe ist viel weniger Drängelei als eine Art Fledermaus-Sonarsystem, mit dem man den Abstand zu den anderen Millionen Verkehrsteilnehmern abschätzt. Alles ist Aktion und Reaktion. Wie in einem schnellem Computerspiel kann man sich in den Strassen von Hanoi den Adrenalin-Kick für 5$ am Tag holen.
Bemerkenswert: die Grazie der hübschen Vietnamesinnen, ausgestrahlt durch ihre Haltung auf dem Fahrzeug; mit geradem Rücken ganz vorn auf dem Sitz, Staub und Smog-Maske mit bunten Aufdrucken im Gesicht.

Schnell verläßt man die ausgetretenen Touristenpfade und lernt die Stadt im Unterschied zu den falschen Maßstäben der Stadtpläne kennen. Hier ähnelt Hanoi plötzlich Berlin: viel Fläche, viele Mikrokosmen... Während im Stadtzentrum noch versucht wird, dem Touristen für das Parken des Rollers etwas Geld abzunehmen, lernt man in den lokalen Garküchen nicht nur die Gastfreundlichkeit der vorwiegend sehr jungen Vietnamesen, als auch die ungeheure Vielfalt der vietnamesischen Küche kennen.

Nicht genug: raus aus Hanoi! Schon nach 1-2 Stunden in süd-westlicher Richtung tauchen die ersten Kreidefelsen auf. Wer sich im Chaos der Altstadt mit dem Roller sicher fühlt, der sollte mal den ultimativen Kick probieren: im Dunkeln vom Highway 6 in die Stadt zurück.
Die wahre Apocalypse Now - zwischen Konvois von LKWs mit ihren durchdringenden Fanfaren, im staubaufgewirbelten Gegenlicht auf Schlagloch-zersprengter Piste, konkurrierend mit Rollern und PKWs; wie ein post-atomarer Exodus ohne Anfang und ohne Ende. Keine Fehler-Toleranz! Keine Ehre, ohne ständig rechts und links zu überholen...

Einfacher aber ähnlich belohnend: nachts auf den Long Bien Markt - Früchte, Gemüse, Fisch und Fleisch wechseln hier in der Nacht kistenweise den Besitzer. Hier wird gearbeitet und gerannt und geschleppt, daß einem Europäer die Kinnlade herunterfällt. Zierliche Frauen balancieren mit Ihren Tragestöcken zentnerweise Waren; LKWs rollen herein und heraus, Roller, beladen mit 5 ganzen Schweinen bahnen sich Ihren Weg und dann der Blick in die Gesichter: stolz und fröhlich wird hier das Nachtwerk verrichtet! Unser Interesse wird hier zwar belächelt aber ist auch willkommen. Eine heisse Suppe um 3h morgens in einem Verschlag am hintersten Ende des Markts...

Dann wieder mal mondän. Malt-Whisky in einer Jazz-Bar am Hoan-Kiem-See. Auch hier keine Langnasen unterwegs. Kurz noch auf einen Drink in einen Hanoier Nachtclub. Wr müssen dringen Musik-Care-Pakete hier abwerfen... Zurück im Viertel herrscht in der Woche Ruhe.

Ein guter Tip. Wer reisen will, dem kann man empfehlen: Kauf dir den Lonely Planet und geh weder in die Restaurants noch in Bars, die hier empfohlen werden! Es sei denn, Du willst auf der ganzen Welt die gleichen Leute treffen.

Wenn wir nur Vietnamesisch sprechen könnten...

Samstag, 9. Januar 2010

Schlaflos in Hanoi

5:15h. Kaum zu glauben, daß wir erst anderthalb Tage in Hanoi sind. Diese mal beunruhigend geschäftige, mal angenehm quirlige Stadt der hupenden Motorroller.

Tagsüber blickt man in skeptische Gesichter; wird gewarnt, wenn man sich zu selbstsicher mit großer Kameraausrüstung durch unbekannte Viertel wagt. Am Abend dann die Neugier: was ist das für ein Tier auf der Kamera des Ausländers (der Windschutz meines Mikrofons)? Sieht lustig aus. Ja, natürlich kannst Du mich filmen!

Hanoi, die Hauptstadt Vietnams; 6,4 Mio Einwohner. Hin- und hergerissen zwischen verschlepptem Realsozialismus und der asiatischen Interpretation westlichen Lebensstils. Die Bars schliessen um Mitternacht. Polizisten mit Schlagstöcken kontrollieren den nächtlichen Abbau der Marktstände. Kein Taxifahrer, kein Souvenirverkäufer, kein Reiseagent, der nicht sein Glück mit der Unbedarftheit der Touristen versucht. So wie uns die Relation zu Preisen verloren geht, verlieren die Menschen hier traditionelle Sitte und Anstand. Nicht alle, natürlich. Im Französischen Viertel fährt man Bentley und Porsche.

Hierher kommen viele der Trägerinnen, die mit zwei schweren Körben an einer Stange auf der Schulter balancierend das Stadtbild durcheinanderbringen und damit komplettieren.

Gehupt wird von Allen, zu jeder Zeit, in jeder Strasse. Pass auf, jetzt komme ich, und ich habe keine Zeit! Im Alten Viertel fahren auf einem Quadratmeter drei Motorroller in drei verschiedene Richtungen. Und genau dazwischen kann man schlafwandelnd die Straßen überqueren. Wenn man bei dem Gehupe und Geknatter schlafen könnte...

Abends am Hoan-Kiem-See sitzen die Pärchen und schmusen. Woher die bloß diese gediegene Romantik?

Das Bier in der Minibar ist alle und der Morgen naht unerbittlich. Frühstück mit Dumplings und Hühnersuppe oder Toast und Ei?